Geschichte

Ein Vater macht seinen Kindern Spaß ...

Anlässlich eines früheren Wiesenmarktes erschien im "Centralanzeiger für den Odenwald" ein Beitrag von Alexander Erbgraf zu Erbach-Erbach (1891-1952), in dem nicht nur die Verbundenheit des Grafenhauses mit dem 1802 von seinem Vorfahren Graf Franz I. gegründeten Eulbacher Markt zum Ausdruck kommt, sondern auf treffende Weise auch das Verhältnis der Bevölkerung zu ihrem Volksfest. Es heißt darin:

„Der echte Odenwälder und Erbacher zählt die Tage, die ihn noch bis zum Feste trennen, sogar viele teilen das Jahr nach dem Markt ein, Odenwälder Zeitrechnung. Lang erwarteter Besuch kommt endlich zum Eulbacher Markt, Urlaub wird dazu von vielen auswärts wohnenden Odenwäldern genommen. Aus der Fremde, aus dem Ausland reisen sie heim, wenn der Markt ruft. Dann vereinigt sich alles wieder, alt und jung von fern und nah. Jeder will, jeder muss wieder dabei sein bei unserem Odenwälder Heimatfest, dem Eulbacher Markt“.

Wenn sich auch im Laufe der vielen Jahre zwangsläufig enorme technische Veränderungen ergeben haben - die Anhänglichkeit der Festbesucher an ihren Markt ist stets gleich groß geblieben. Wie eh und je möchte man das Ereignis des Jahres mit anderen gebührend feiern, für Stunden oder Tage losgelöst sein vom Alltagsstress; die Welt da draußen – sozusagen vor den Festeingängen – hinter sich lassen, eintauchen in das unverwechselbare Fluidum von sommerlich-unbeschwerter Heiterkeit, gemeinsam ein Heimatfest erleben, das einst im und für den Odenwald entstanden war.

Die Verbundenheit mit seinen Mitbürgern bewog Graf Franz I. zu Erbach-Erbach vor über 200 Jahren zur Stiftung des Eulbacher Marktes. Auf der Eulbacher Höhe hatte der Regent seinen Sommer- und Jagdsitz, dort ging er seinen Studien nach. Die Abgeschiedenheit Eulbachs aber dürfte dem volksverbundenen Grafen nicht immer recht gewesen sein. Im Juni 1802 schickte er ein Schreiben an seinen Kanzleidirektor Dosch im Erbacher Schloss, worin er den Wunsch äußerte, einen Markt in Eulbach ins Leben zu rufen. Der Kanzleidirektor las:

"Ein jeder Vater macht gern seinen Kindern einen Spaß, so geht es mir mit Eulbach. Dieser sonst so berühmte Ort ist seit dem Dreißigjährigen Krieg ganz ohne alle kirchliche Unterstützung geblieben und dauert mich darum. Mit der Kirche selbst nun wird es noch eine Weile anstehen müssen, fangen wir aber einstweilen mit der Kirchweihe, und zwar auf Jacobi – weil im July weder zu Erbach noch zu Michelstadt Märkte sind – an. Auf diesen Tag möchte ich gerne einen Freymarkt, das ist ohne zu befehlendes Standgeld, hierher nebst allen zu Märkten gehörigen Lustbarkeiten und Anlagen bestimmen."

Am 25. Juli 1802 fand also der erste Eulbacher Markt statt. Er war für die Beschicker abgabefrei als Voraussetzung für preiswerte Waren und "unbeschwerten Genuss der Marktfreuden" seitens der Besucher. Die Geburtsstätte war in etwa der heutige Englische Garten, dessen Anlegung ebenfalls in jenem Jahr begonnen haben soll.

Im "Katalog über Eulbach", einem künstlerisch überaus wertvollen Bild- und Textband, hat Marktgründer Graf Franz I. selbst hinterlassen, welchen Eindruck er von den ersten Märkten gewonnen hatte: "Dieses Volks-Interesse am Eulbacher Garten bewog mich im Jahre 1802, einen Versuch zu machen, ob ein Frey-Markt auf einen Tag den Frohsinn aller Bewohner des Odenwaldes nach Eulbach locken könnte, ich bestimmte ihn, und falls dieser neue Markt Beifall finden sollte, für jedes Jahr auf Sonntag vor Jacobi. O möchte doch jeder Plan, jeder Versuch, jedes Unternehmen mir und jedem so gelingen, wie dieser Versuch mir gelang, und noch jezo, denn schon einmal wurde dieser Markt gehalten, jedes Jahr gelingt! Denn jedes Mal strömen drey und auch viertausend Menschen aus dem ganzen Odenwald und oft aus weit entlegener Nachbarschaft demselben zu, Heiterkeit, Freude im Herzen und das augenblickliche Vergessen jedes in unseren jetzigen Zeiten mit jedem Tage zunehmenden Druckes sind die Gefährten jedes Ankommenden. Auf einem von Säulen erhabenen Balkon übersieht man sowohl das Gewühl auf dem davor liegenden Marktplatze, als auch das im ganzen Garten. Wenn dann genug gekauft und bei den Speisegebern gegessen und getrunken worden ist, dann füllen sich die Scheuern und leeren Plätze, da wird getanzt, gejubelt und gejauchzet, bis die Sterne am Himmel stehen".

Wer sich heute das Getümmel des Wiesenmarktes beispielsweise aus der luftigen Höhe einer Riesenradgondel betrachtet, könnte leicht ähnliche Impressionen erhalten.

ÖFFNUNGSZEITEN


Festplatz

Täglich von 11.00 bis 03.00 Uhr
Ende am letzten Markt-Sonntag um 24.00 Uhr

Händlerstraßen
Täglich von 11.00 bis 23.00 Uhr

Messehallen der Südhessen Messe
Montags bis samstags 13.00 bis 22.00 Uhr
Sonntags 11.00 bis 22.00 Uhr

Freigelände der Südhessen Messe
Täglich von 11.00 bis 22.00 Uhr

Beginn in allen Marktbereichen am ersten Freitag um 15.00 Uhr